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17.5.2012 : 12:32 : +0200

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Ein Schlaganfall trifft einen Menschen fast immer unerwartet. Jährlich erleiden ungefähr 200.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Er ist damit einer der häufigsten Gründe für eine Behinderung und für Pflegebedürftigkeit, gleichzeitig aber auch die dritthäufigste Todesursache in der Bundesrepublik Deutschland.

„Aktiv dabei“ will den Schlaganfall in diesem Heft näher unter die Lupe nehmen und so dazu beitragen, das Bewusstsein zu stärken, dass man vorbeugen kann und dass bei schneller Hilfe und guter Rehabilitation die Folgen eines Schlaganfalls nicht immer dramatisch sein müssen.

Ursachen eines Schlaganfalls

Obwohl ein Schlaganfall in der Regel plötzlich auftritt, hat er doch meist eine lange Vorgeschichte, die eine Durchblutungsstörung des Gehirns (Ischämie) und damit eine Schädigung der Nervenzellen zur Folge hat. Der Schlaganfall oder auch Gehirnschlag (Apoplex) ist vergleichbar mit einem Herzinfarkt, bei dem durch Unterversorgung das Herzmuskelgewebe geschädigt wird. Auch die Ursachen sind ähnlich:

Arteriosklerose ist die häufigste Ursache für einen Schlaganfall. Verengte die Blutgefäße führen zu einer Mangeldurchblutung des Gehirns. Mediziner gehen davon aus, dass in 2/3 aller Fälle eine Mangeldurchblutung des Gehirns durch Arteriosklerose, die Ursache für einen Schlaganfall bildet. Nicht jede Arteriosklerose führt aber zwangsläufig zu einem Schlaganfall.

So kann bei einem stabilen Herz-Kreislauf-System die Durchblutung des Gehirns trotz verengter Blutgefässe völlig ausreichen. Lässt aber die Funktion des Herzens nach, kann das zu einer Unterversorgung des Gehirns führen. Auch eine „Bluteindickung“ durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr kann diese Unterversorgung auslösen. Das ist besonders häufig bei älteren Menschen, die nicht genug trinken.

Thrombosen und Embolien sind seltener die Ursache eines Schlaganfalls als Arteriosklerose

Eine Thrombose wird durch einen Thrombus verursacht. Das ist ein Blut-Gerinnsel, das an einer bestimmten Stelle der Gefäßwand im Gehirn entsteht und so den Blutdurchfluss unterbindet.

Ein Embolus dagegen ist ein Blut-Gerinnsel, das sich an einer anderen Stelle im Körper bildet und mit dem Blutstrom in das Gehirn gelangt. Dort bleibt es stecken und verschließt ein Blutgefäß im Gehirn.

Die unterschiedliche Ursache hat die gleiche Wirkung: Der hinter dieser Verschlussstelle liegende Teil des Blutgefäßes wird nicht mehr richtig durchblutet und der hierdurch versorgte Teil des Gehirns erleidet eine akute Unterversorgung mit Sauerstoff.

Risse in einem Blutgefäß des Gehirns sind noch seltener als Thrombosen und Embolien.

Solche Risse, die häufig aus einem Aneurysma entstehen, haben eine Blutung in die Umgebung des Gefäßes zur Folge. Aneurysmen sind Ausbuchtungen in der Gefäßwand, die gar nicht so selten sind. Meist bleiben diese jedoch ein Leben lang unentdeckt und verursachen auch keine Komplikationen. Platzt ein Aneurysma, besteht jedoch akute Lebensgefahr. Große Aufregungen, Stress und hohe Kraftanstrengungen können den Blutdruck so stark ansteigen lassen, dass ein Aneurysma reißt.

Die Folgen eines Schlaganfalls

Welche Folgen ein Schlaganfall hat, hängt davon ab, welche Stelle des Gehirns betroffen ist und wie schwer und dauerhaft die Durchblutungsstörung ist. Sind die Durchblutungsstörungen nur vorübergehend oder nicht vollständig, kommt es meistens nicht zu einem Absterben von Nervenzellen, sondern „nur“ zu Funktionsstörungen. Diese Funktionsstörungen können sich wieder zurückbilden. Aus diesem Grund ist eine schnelle ärztliche Hilfe enorm wichtig. Die Symptome, die auf einen Schlaganfall hinweisen, sollte daher jeder kennen.

Die häufigsten Störungen nach einem Schlaganfall sind (Halbseiten-)Lähmungen und Sprachstörungen. Doch auch Gefühlsstörungen, Sehstörungen, Gedächtnisprobleme und anderes mehr treten häufig auf, so dass je nach Schwere der Erkrankung die Selbständigkeit des Patienten erheblich eingeschränkt sein kann.

Symptome

Ein Schlaganfall ist eine sehr bedrohliche und ernsthafte Erkrankung. Doch bei rechtzeitiger Behandlung lassen sich die Folgen drastisch verringern. Deshalb ist schnelle medizinische Hilfe das A und O bei der Therapie des Schlaganfalls. Alarmsignale sind z.B.

  • plötzlich auftretende Schwäche oder Unbeweglichkeit der Arme und Beine
  • Gefühlsstörungen
  • Seh- und/oder Sprachstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Lähmungen der Gesichtsmuskulatur
  • hängende Augenlider
  • Schwindel
  • Koordinationsstörungen
  • Schluckstörungen

u.a.m.

Prävention

Schlaganfällen vorbeugen heißt, in erster Linie einer Arteriosklerose vorbeugen. Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Herzerkrankungen und andere Risikofaktoren sollten vom Hausarzt gut überwacht und behandelt werden. Dass das Rauchen am besten ganz aufgegeben werden sollte, muss nicht extra erwähnt werden..

Nehmen Sie auch leichte Beschwerden und die o.g. Symptome nicht auf die leichte Schulter, selbst wenn diese nur vorübergehend auftreten. Ihr Hausarzt wird Ihnen aufmerksam zuhören.

Die Rehabilitation

Eine optimale Rehabilitation beginnt sofort nach der Akuttherapie. Das Gehirn soll durch frühes Training verloren gegangene Fähigkeiten erneut lernen. Das Reha-Programm beginnt in der Regel mit Krankengymnastik, Logopädie und Ergotherapie. Später wird der Rehabilitationssport immer wichtiger. Gerade in der Sportgruppe erfährt der Betroffene psychische Unterstützung durch ebenfalls betroffene (Sport-)Freunde und gewinnt wieder Selbstvertrauen, Mut und Zuversicht.

Reha-Sport ist damit ein wichtiger Baustein der medizinischen Rehabilitation. Die speziell ausgebildeten Übungsleiter orientieren sich an den individuellen Stärken des Einzelnen, um dessen Defizite und Störungen abzubauen. Auch die Angehörigen können am Übungsprogramm teilnehmen. Gemeinsame Erfolgserlebnisse und Spaß in der Gruppe helfen, das traumatische Geschehen des Schlaganfalls besser zu verarbeiten, nehmen Ängste, geben Zuversicht und tragen dazu bei, positiv in die Zukunft zu blicken.

Da ein Schlaganfall sehr individuelle Folgen hat, muss der Übungsleiter die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Teilnehmers kennen. Daraus kann er ein Übungsprogramm entwickeln, das die körperlichen, psychischen und sozialen Einschränkungen und Störungen, die durch die Erkrankung entstanden sind, positiv beeinflussen soll. Gleichzeitig beugt der Reha-Sport einer sozialen Isolation vor und vermindert/verhindert über den Transfer von im Sport gelernten Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Alltag eine frühe Pflegebedürftigkeit.

Welche Sportart nach überstandenem Schlaganfall geeignet und praktikabel ist, kann nicht generell gesagt werden. Die Interessen und Fähigkeiten des Einzelnen sollten Berücksichtigung finden. Grundsätzlich sind als Rehabilitationssportarten anerkannt:

  • Gymnastik
  • Bewegungsspiele in Gruppen
  • Schwimmen und Wassergymnastik
  • leichtathletische Übungen.

Die Inhalte sollten sich an dem Grundsatz „Erlaubt ist, was Spaß macht“ orientieren, ohne dabei die limitierenden Faktoren der medizinischen und pädagogischen Sinnhaftigkeit aus den Augen zu verlieren.