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17.5.2012 : 12:19 : +0200

Risikofaktor Diabetes - Sport kann helfen

Der Deutsche Diabetikerbund geht davon aus, dass bei steigender Tendenz etwa 5,7 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit, leiden und weitere zwei Millionen zwar erkrankt sind, dies aber noch nicht wissen.

Nach Einschätzung von Fachärzten erleiden 70 000 Diabetiker jährlich in Deutschland einen Herzinfarkt, den durchschnittlich nur jeder 2. Patient überlebt. Den engen Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes, als einem der wichtigsten Risikofaktoren, stellt niemand mehr in Frage. 75% aller Diabetiker hätten auch eine Herz-Kreislauf-Komplikation, und 75% aller Herzinfarkt-Patienten wiesen eine Zuckerkrankheit auf, war kürzlich in einer dpa Meldung zu lesen.

Was ist Diabetes und welche Formen werden unterschieden?

Der Diabetes Mellitus ist eine komplexe Störung des Stoffwechsels, die eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels zur Folge hat. Der Normalwert liegt „nüchtern“ zwischen 70 und 110 mg pro 100 ml Blut.

Man unterscheidet zwei Diabetestypen

  • Typ-1-Diabetes

Dieser Diabetestyp beginnt meist im Kindes- und Jugendalter und erfordert in der Regel lebenslange Insulin-Injektionen damit der Blutzuckerspiegel nicht zu hoch steigt.

  • Typ-2-Diabetes

Dieser Diabetestyp tritt wesentlich häufiger, allerdings erst im Erwachsenenalter auf. Meist handelt es sich um Menschen im Alter ab 40 Jahren aufwärts. Etwa 2/3 der Betroffenen Personen ist älter als 60 Jahre. Daher auch die Bezeichnung "Altersdiabetes". Diese Bezeichnung ist jedoch nicht ganz korrekt, da auch jüngere Menschen davon betroffen sein können.

Warum ist eine frühzeitige Diagnose wichtig?

Spätestens seit der Bestsellerautor Henning Mankell seinen Romanhelden Kommissar Mats Wilander an Diabetes erkranken ließ, sind die Warnzeichen für einen Diabetes in breiten Schichten bekannt. Da sich die Krankheit aber oft langsam und schleichend entwickelt und daher oft unerkannt bleibt, sollten auch die Nicht-Roman-Leser diese kennen und sich beim Auftreten von Symptomen mit ihrem Arzt beraten.

Ein frühes Erkennungszeichen ist starker Durst und starker Harndrang. Gesteigerte Müdigkeit, sich matt fühlen verschwommenes Sehen und Konzentrationsmängel sind ebenfalls Warnsignale des Körpers. Auch Probleme mit der Haut, Störungen der Wundheilung und häufige Harnwegsinfekte sollten sensibel machen.

Das heimtückische an der Erkrankung sind seine Spätfolgen und Komplikationen. Zu hohe Blutzuckerwerte führen auf Dauer zu Organschäden. Insbesondere die Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und Schlaganfall sind von Bedeutung. Die traurige Wahrheit: In mehr als 75% der Todesfälle von Diabetespatienten sind sie die festgestellte Ursache. Darüber hinaus sind Diabetiker besonders anfällig für Nieren-, Haut- und Augenerkrankungen.

Erhöhte Arteriosklerosegefahr

Durch die auf Dauer erhöhten Blutzuckerwerte bilden sich vermehrt Ablagerungen in kleinen und großen Gefäßen. Diese beschleunigen die Bildung der gefährlichen Ablagerungen an den Gefäßwänden und führen zu Arteriosklerose. Ein besonders hohes Risiko tragen hier Personen, die gleichzeitig an zu hohem Blutdruck, zu hohen Blutfetten und Adipositas leiden

In der Schädigung der Gefäße liegt auch die Ursache für weitere Folgen der Stoffwechselstörung etwa der Nerven. Auch Nerven benötigen Sauerstoff und Nährstoffe, die über die kleinen Blutgefäße zugeführt werden müssen. Sind diese durch den Diabetes geschädigt, kann es zu diabetischen Neuropathien, als Nervenschädigungen durch Diabetes kommen. Warnsymptome sind Kribbeln und Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, gestörte Reflexe u.a.m.

Bei Nephropathien, werden die Nieren, die besonders stark durchblutet werden müssen, durch Gefäßveränderungen in Mitleidenschaft gezogen bis zum Verlust der Nierenfunktion mit fatalen Folgen. Eine bei Diabetiker gar nicht so seltene Komplikation ist die Netzhautschädigung (Retinopathie) durch die Unterversorgung der empfindlichen Netzhaut des Auges. Die Sehkraft wird beeinträchtigt und kann sogar bis zur völligen Erblindung reichen. In den westlichen Industrieländern ist Diabetes eine der häufigsten Ursache für eine Erblindung.

Wie regelt sich der Blutzuckerspiegel?

Bei der Verdauung wird die Nahrung im Magen-Darm-Trakt in ihre Bestandteile aufgespalten. Eines davon ist der Zucker Glukose, der anschließend über die Darmwand ins Blut transportiert wird. Daher wird der Blutzuckertest beim Arzt „nüchtern“ gemacht, da nach dem Essen die Glukosekonzentration im Blut ansteigt.

Hier kommt das Hormon Insulin in Spiel, das in den Langerhansschen Inseln in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Beim gesunden Menschen regelt sich die Insulinfreisetzung in einem komplizierten Regelmechanismus automatisch so, dass ein übermäßiges Anstieg oder Absinken des Blutzuckerspiegels verhindert wird und der Blutzuckergehalt nahezu konstant bleibt. Dies ist möglich, weil das Insulin das Einschleusen des Zuckers in die Zellen bewirkt, wo Zucker als Energiespender im Zellstoffwechsel benötigt wird.

Beim Diabetiker dagegen gelangt zu wenig oder gar kein Insulin in den Blutkreislauf oder das vorhandene Insulin zeigt zu geringe Wirkung. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel bleibt erhöht.

Bewegung hilft aber: Nicht einfach loslaufen!

Je früher die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird, desto geringer sind die Folgeschäden. Daher sollte man mit dem Arztbesuch nicht lange warten, wenn man meint, Anzeichen für einen Diabetes entdeckt zu haben.

Der behandelnde Arzt wird entscheiden ob und wenn ja welche medikamentösen Behandlungen notwendig sind und welche weiteren Maßnahmen zur Behandlung angezeigt sind. Oft reicht es schon aus auf eine gesunde, vollwertige Ernährung zu achten und sich sportlich zu betätigen um den Blutzuckerspiegel wieder in den Normbereich zu senken. Denn bei körperlicher Belastung verbrennt der Körper Zucker. Dadurch kann jeder mit einfachsten Mitteln dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel zu senken.

Für Diabetiker sind sportliche Betätigungen wie Wandern, Walking, Radfahren, Laufen, Schwimmen oder Skilanglauf im Winter mit leichter bis mittlerer Intensität besonders zu empfehlen weil:

  • sich die die Intensität sehr gut zu dosieren lässt,
  • sich mit ein bisschen Erfahrung das Blutzuckerverhalten auch bei wechselnder Intensität oder Dauer gut abgeschätzt lässt,
  • diese Sportarten positive Wirkungen auf das gesamte Herz-Kreislaufsystem und ein geringes Verletzungsrisiko haben,
    der Blutdruck nur mäßig ansteigt

Doch gibt es einiges zu beachten, damit der Sport auch nur positive Wirkungen entfaltet. Der Effekt der Blutzuckersenkung durch dosierte Belastung ist erwünscht. Allerdings besteht besonders bei insulinpflichtigem oder über Tabletten eingestelltem Diabetes die Gefahr einer Unterzuckerung (hypoglykämischer Schock), wenn die Belastung zu hoch ist und/oder andere belastende Faktoren (Stress, Klima) dazu kommen. Über eine geänderte Dosierung der Medikamente und eine bevorzugte Aufnahme langsam wirkender Kohlenhydrate kann diese Gefahr minimiert werden. Für den Notfall sollte beim Sport jedoch immer etwas Traubenzucker oder Fruchtsaft in Reichweite sein, da diese schnell ins Blut gelangen und eine Unterzuckerung vermeiden.

Vor der Aufnahme eines Sportprogrammes sollte sich der Patient daher ausführlich von seinem Arzt beraten lassen. Natürlich muss der Sport auf die individuellen Gegebenheiten, wie Schwere der Erkrankung, mögliche bereits vorhandene Folgeschäden usw. Rücksicht nehmen. Es ist daher unbedingt ratsam, sich einer Sportgruppe anzuschließen, die über einen speziell ausgebildeten Fachübungsleiter verfügt und der die Sportstunden entsprechend gestaltet.

Zwar sind - wie bereits erwähnt – leichte bis mittlere Ausdauerbelastungen die Methode der Wahl, aber im Einzelfall kann z.B. auch das Tennisspiel oder eine andere Sportart betrieben werden. Wichtig ist, dass die Sportart mit Freude und möglichst langfristig betrieben wird, denn nur das langfristige und regelmäßige Sporttreiben bringt die gewünschten Effekte bei der Beeinflussung der Erkrankung und ihrer Folgeerkrankungen. Wenn der individuelle Gesundheitszustand und die individuelle Leistungsfähigkeit Berücksichtigung finden, sind Schul- und Breitensport und in Ausnahmefällen sogar Leistungssport trotz Diabetes möglich.

Mitarbeit des Patienten und Kontrolle müssen sein

Um auf Dauer einen Behandlungserfolg zu erzielen ist es wichtig, dass die Diabetespatienten intensiv über ihre Erkrankung aufgeklärt werden. Fragen der Ernährung, körperliche Betätigung, Medikamentenaufnahme, Fußpflege usw. müssen erlernt und die Effekte kontrolliert werden.

Um den Blutzuckerspiegel zu Messen ist heute keine aufwendige Laboruntersuchung mehr notwendig. Moderne Testgeräte benötigen weniger als einen Tropfen Blut aus der Fingerkuppe und ermitteln den aktuellen Blutzuckerwert innerhalb weniger Sekunden. Das hilft bei der Vermeidung von Unterzuckerung und zeigt ob die medikamentöse Einstellung und die geänderte Ernährung die gewünschten Effekte erzielen.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:

http://www.diabetikerbund.de

oder

Deutscher Diabetiker Bund LV NRW
Johanniterstr. 45
47053 Duisburg
Tel.: (02 03) 6 08 44-0
Fax: (02 03) 6 08 44-77
ddblvnrw(at)t-online.de
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